Digitalisierung des ländlichen Raumes aktiv gestalten

„Der Ausbau des schnellen Internet muss deutlich beschleunigt werden“ sagt Christian Vavra, GRÜNER Landtags-Direktkandidat im Stimmkreis 711 Marktoberdorf. Der 42 jährige Stadtrat plädierte diese Woche im Stadtentwicklungsausschuss seiner Heimatstadt Marktoberdorf dafür, keinen der abgelegenen Bauernhöfe und Siedlungen beim anstehenden Ausbau auszulassen. Da der finanzielle Aufwand für die Stadt dafür jedoch zu groß war, sprach sich der Ausschuss für eine kleinere Lösung aus. Für Vavra belegt das Ergebnis, daß „die bayerischen Fördergelder bei weitem nicht ausreichen, um flächendeckend leitungsfähiges Internet bieten zu können“. Vavra geht davon aus, dass das Beispiel Marktoberdorf nur die Spitze des Eisberges ist. Denn viele Gemeinden sind noch ländlicher strukturiert.

Symbolpolitik

Schwabens erstes Bayern-Lab, welches im Herbst in Kaufbeuren eröffnen soll, bezeichnet Vavra als Symbolpolitik: „Nach Vorstellung der CSU sollen die Bürger dort bestaunen, was wo anders längst Standard ist.“ Seiner Ansicht nach wäre das dafür verwendete Geld im Infrastrukturausbau deutlich besser angelegt, denn gerade die ländlichen Kommunen werden mit der Finanzierung des Ausbaus an die Grenze der finanziellen Belastbarkeit gedrängt.

Grundrecht Breitbandanschluss

Nicht nur für das Arbeiten von zu Hause aus wird Breitband-Internet benötigt. Längst ist es schon Realität, von zu Hause aus beispielsweise an einem virtuellen Campus zu studieren oder private Nachhilfestunden über das Internet zu bekommen. „Ohne leistungsfähige und zuverlässige Datenautobahn werden ländliche Bereiche abgehängt“, befürchtet Vavra. Angebote wie Audio- oder Video-Streaming lösen lineare Angebote im Fernsehen oder Radio zunehmends ab. Telefoniert wird vermehrt über das Internet. Dies sind weitere Gründe, warum gerade auch Privathaushalte einen leistungsfähigen und zuverlässigen Internetzugang brauchen. In der EU wurde deshalb auch ein Grundrecht auf einen Breitbandanschluss diskutiert, in Finnland ein entsprechendes Gesetz beschlossen.

Glasfaser Stand der Technik

Bereits seit Mitte der 80er Jahre wird die Glasfaserleitung als Stand der Technik betrachtet. Internationale Verwunderung rief die Entscheidung des damaligen deutschen Postministers hervor, mit vielen Milliarden DM den Netzausbau mit Kupferleitungen zu fördern. „Diese Fehlentscheidung, aber auch, dass da nie dagegen gesteuert wurde, kommt uns heute teuer zu stehen“ kommentiert Christian Vavra den geschichtlichen Hintergrund. Er fordert, deutlich mehr Geld für den Glasfaserausbau in die Hand zu nehmen. Glasfaser biete ein sehr hohes Zukunftspotenzial. Denn sicher sei nur: billiger wird das Verlegen der Glasfaser künftig nicht und irgendwann muss der Ausbau gemacht werden.